Neues aus Beijing 2006-2007

Montag, September 25, 2006

Im Bürokratiedschungel (2)

Sehr interessant war auch die Einrichtung des Internetanschlusses: Zunächst war ein Gang zum Büro für ausländische Studenten notwendig, um einen Berechtigungsschein zu erhalten. Dann kamen zwei weitere Stationen hinzu, die zum Glück immerhin im selben Gebäude, nämlich dem Hauptgebäude in der nähe des Haupteingangs (=40 Minuten Fussmarsch). Dort musste man sich zwecks Freischaltung des Anschlusses zunächst an die Registratur wenden, also wieder Schlange stehen, dieses Mal aber nur 20 Minuten ;-). Besonders wichtig wie immer in China war danach natürlich der Gang zur Kasse, die sich wiederum in einem anderen Zimmer befand und deren Öffnungszeiten sich nur gelegentlich mit denen der Registratur deckten. Glücklicherweise hatte Jinxin mich vorgewarnt, so dass ich immerhin alles in einem Gang erledigen konnte. Als wichtige Verbindung zur Außenwelt war nun schon mal der Internetzugang vom Wohnheim aus gesichert!

Bei dessen Installation habe ich dann schon gemerkt, dass es in Beijing etwas restriktiver zugeht als in Shanghai – es ist eben nun mal der Sitz der Zentralregierung. Chinesische Studenten dürfen zum Beispiel auf keine ausländischen Websites zugreifen, bzw. müssen extra dafür bezahlen. In Shanghai war das gar kein Problem. Für uns Ausländer gilt das zum Glück aber nicht (wir sind ja schon verdorben), sonst käme ich gar nicht an meine Mails heran. Aber jedes Mal beim Online gehen muss ich die "Erlaubnis, das Land zu verlassen" anklicken. Das hatte ich irgendwann einmal vergessen und habe mich schon gewundert, warum ich keine Mails herunterladen konnte. Da wird man schon dran erinnert, dass China nicht gerade das liberalste Land ist...

Nachdem der Internetzugang nun gesichert war, standen noch drei weitere Behördengänge auf dem Programm: Zum einen das Abholen der Aufenthaltsgenehmigung eine Woche später. Das war zum Glück kein Problem und konnte gegen eine entsprechende Zahlung – dieses Mal ohne Schlangestehen – unkompliziert erledigt werden. Allerdings wiederholte sich der Eindruck, dass in Beijing die Dinge restriktiver gehandhabt werden: die Genehmigung war auf den Tag genau bis zum Ende des 2. Semesters (31. Juli 2007) ausgestellt worden, während ich in Shanghai auf den Tag genau eine einjährige Gültigkeit erhalten hatte. Sollte ich also nächstes Jahr im August noch auf Reise gehen wollen, so muss ich mir eine Extragenehmigung der Universität besorgen und diese an der Visumsstelle vorlegen. Die gesonderte Beantragung eines Reisevisums ist nicht möglich.

Als nächstes war die Ausstellung eines Studentenausweises wichtig, vor allem, um die geschlossenen Sportanlagen auf dem Unigelände nutzen zu können und als letzte Formalie eine Mensakarte beantragen zu können. Für alle ausländischen Studenten gab es zunächst einen einzigen dreistündigen Termin für die Ausstellung eines Studentenausweises, zu einem Zeitpunkt, wo die meisten schon Unterricht hatten. Ich hatte glücklicherweise keinen und konnte mich deshalb zum entsprechenden Zeitpunkt (mal wieder) in die Schlange einreihen. Die Ausstellung des Stundentenausweises, für die zunächst ein digitales Foto gemacht wurde, ging dann auch sehr schnell und war zu meinem Erstaunen kostenlos! Zum Glück für die übrigen Studenten hatte das Büro aber ein Einsehen und verkündete wenig später, dass man gegen Vorlage eines Passbilds auch noch einen Ausweise bekäme – wenn auch keine so schöne Plastikkarte mit Digitalfoto.

Mit dem Studentenausweis ausgestattet ging dann auch die Beantragung der wieder aufladbaren Mensakarte recht problemlos. Diese bekam man allerdings wieder in einem ganz anderen Gebäude. Beim ersten Versuch kam ich prompt mitten in der Mittagspause an, so dass ich es eine Stunde später noch mal probierte. Auf dem Schild hatte ja gestanden, dass täglich auch nachmittags ab 14 Uhr geöffnet war. Als ich jedoch um zwanzig nach zwei vor der Tür stand, war diese abgeschlossen und die Vorhänge untern. Das erschien mir doch sehr komisch, so dass ich um die Ecke ging um durchs Fenster zu schauen. Dieses war offen und der Schalter besetzt. Auf meine Anfrage hin wurde auch die Tür geöffnet mit den Worten: „Ach ja, da haben wir doch glatt vergessen, die Tür aufzuschließen …“ Immerhin hatte ich dann ganz fix meine Mensakarte in der Hand – nach entsprechenden Zahlungen, versteht sich. Unverschämt finde ich allerdings die Regelung, dass man bei jedem Aufladen 10 % des aufgeladenen Betrags als Servicecharge zahlen muss.

Wenigstens waren somit aber die letzten Behördengänge und Formalia erledigt, und es konnte mit der Einrichtung und Orientierung an der Uni weitergehen.