Neues aus Beijing 2006-2007

Montag, Juli 09, 2007

Ausflug nach Shenyang

Ende Juni ergab sich die Gelegenheit, ein Interview in Shenyang zu führen. Dabei blieb auch Zeit für etwas Sightseeing. In Shenyang gibt es unter anderem eine Miniaturversion der Verbotenen Stadt aus früheren Tagen... das ist echt witzig!




































Grüße aus China... hier ist eben alles etwas anders, auch der Umgang mit dem Sonnenschein :-).

Dienstag, Mai 15, 2007

Auf den Spuren der deutschen Imperialisten (2)

Wenn wir schon bei Imperialisten sind - Dank meiner "guanxi" (Vitamin B) in Qingdao hatte ich die Gelegenheit, zwei Nächte im Crowne Plaza zu nächtigen, das war auch extrem imperialistisch, aber sehr cool. Der Ausblick vom 25. Stock war einmalig...Und der Servicegedanke beginnt doch allmählich auch sich durchzusetzen. Zumindest waren die "fuwus" (Einheitsbegriff für Servicepersonal) sehr aufmerksam und zuvorkommend. Nicht chinakundige Leser werden jetzt verwundert die Stirn runzeln und sich fragen, was dieser Kommentar soll. Schließlich handelt es sich beim Crowne Plaza um ein renommiertes 5-Sterne-Hotel. Da sollte das doch das mindeste sein. Nicht so aber in China - dort sei es Studentenwohnheim oder 5-Sterne-Absteige bietet sich in der Regel das gleiche mißmutige "ich-bin-für nichts-verantwortlich" Ex-Kommunismus-Gesicht beim Servicepersonal. Nur zu gut erinnere ich mich an die anschauliche Darstellung desselben, die mein Kommilitone Olli mir damals in Shanghai lieferte, als er von der Übernachtung im höchsten Hotel der Welt (ebenfalls 5-Sterne) im Jinmao Tower berichtete. Die Aufmerksamkeit der "fuwus" stand denen im Studentenwohnheim um nichts nach, was nicht Gutes hieß. Griesgrämigkeit inbegriffen. Aber wie gesagt, Besserung ist in Sicht. Schließlich ist Qingdao auch Olympiastadt: Der Segelwettbewerb wird dort stattfinden, was bestimmt einiges an "laowais" (=Ausländer) mit sich bringen wird - so zumindest die Hoffnung der Stadtregierung.











Entlang der Uferpromenade in Qingdao gibt es ein Villenviertel im deutschen Stil, das zum Teil wirklich an den Heidelberger Stadtteil Neuenheim Richtung Philosophenweg erinnert. Jedoch wurde dieses gar nicht vo Deutschen sondern von russischen und japanischen Kaufleuten erbaut. Diese konnten dem deutschen (Jugend-?) Stil wohl einiges abgewinnen und ließen dafür auch nicht lumpen. Tatsächlich fühlt man sich bei einem Spaziergang durch das Viertel, als ob man spontan einen Ausflug ins ferne Deutschland unternähme, so sehr ähnelt sich die beschauliche Atmosphäre, gerade im Vergleich zum hektischen chinesischen Großstadtleben. Aufgeschreckt wird man natürlich immer wieder durch die gutturalen Geräusche und "laowai" Rufe der Anwohner...;-)




















Jedem Kaiser seine Promenade - So auch in Qingdao. Die Hauptverkehrsstrasse hiess zu Kolonialzeiten Kaiser-Wilhelm-Allee. Heute trägt sie den Namen Zhongshan Strasse und ehrt damit den Republikmitbegründer Sun Yatsen (Sun Zhongshan). Auch hier lassen sich viele europäische Elemente in Architektur und Bauweise entdecken. Angenehmerweise fehlen die Wolkenkratzer, die sonst so charakteristisch für das Innenleben einer chinesischen Großstadt sind.








































Komplett verzichtet hat Qingdao auf diese Statussymbole natürlich nicht: Das Businessviertel etwas außerhalb ist entsprechend damit verziert worden. Und die Strandpromenade mit der Skyline hat doch auch was!











Samstag, Mai 12, 2007

Auf den Spuren der deutschen Imperialisten (1)

Letzte Woche hat es mich für einige sehr interessante Gespräche im Rahmen meiner Diss nach Qingdao verschlagen. Dabei blieb auch noch etwas Zeit, für eine Besichtigungstour durch die Stadt und einen schönen Strandspaziergang, bei dem ich mir einen bösen Sonnenbrand geholt habe - Ein typischer Fall von Meeresbrise und "ist ja gar nicht so warm"...Qingdao, oder Tsingtao wie es in der Wade-Giles-Umschrift geschrieben wird - so steht es auch auf den Flaschen der berühmtesten chinesischen Biersorte - war einmal Deutschland, bzw. eine Kolonie der Deutschen und Kaiser Wilhelm Anfng des 20. Jahrhunderts. Und die Deutschen haben dort ihre Spuren hinterlassen. In einem Comic von Walter Moers heisst es in etwa
Moers heisst in etwa, wenn die Deutschen einmla da sind, wird man sie nicht mehr so schnell los. Und so gibt es in Qingdao auch heute noch einige Fleckchen, an denen man denkt, man sei in Deutschland gelandet... wäre da nicht das vertraute Darmtraktsäuberungs-
geräusch im Hintergrund, das einen bestetig der Realität im Reich der Mitte erinnert... ;-)
Qingdao ist im Vergleich zu Peking ein kleines Paradies: Die Luft ist klar und sauber, der Verkehr hält sich in Grenzen, es ist für chinesische Ver- hältnisse wirklich sehr sauber (Nachwirkungen der Deutschen?), es gibt wunderschöne kleine Häuschen und Villen, die Hochhausbebauung hält sich sehr in Grenzen, und es liegt direkt am Meer mit ein paar sehr schönen Sandstränden! Zum Schwimmen war es aber noch zu kalt.

Ein Muss für europäische Touris in Qingdao, gerade für Bundesrepublikaner, ist die Besichtigung des alten deutschen Gouverneurspalasts - der Erbauer konnte diese luxuriöse Behausung leider nicht lange genießen. Auf Grund der exorbitanten Kosten wurde er kurz nach Feritgstellung vom Kaiser des Amtes enthoben. Hier mitten in China wirkt ein solch europäisches Gebäude einfach sehr exotisch und vermittelt im gewissen Sinne auch ein heimeliges Gefühl.










Links: Eingangshalle; Rechts: Der Goldene Saal










Links: Da kommen nostalgische Gefühle auf... ein Plattenspieler!
Rechts: Qualität "made in germany", noch dazu in Stuttgart, schon damals...;-)













Links: Die Holzschiffsammlung des Gouverneurs (leider schlecht zu erkennen)
Rechts: Eigens aus Deutschland importierter Flügel













Links: Bei europäischen Imperialisten darf natürlich das Christentum nicht fehlen. Schließlich ist "Religion Opium für das Volk", gerade für das zu kolonisierende...
Rechts: Auch das patriarchalische Gruppenbild der Gouverneuersfamilie darf nicht fehlen.

Sonntag, April 22, 2007

Emporkommen aus der Versenkung

Lange, lange ist es her, dass ich das letzte Mal von mir habe hören lassen. Aber den ganzen März über war Franz bei mir in Peking. Ursprünglich hatten wir vor, mal einen gemeinsamen Blockeintrag zu machen. Aber wie so oft, ist uns irgendwie die Zeit davon gelaufen, und es hat nicht geklappt... wir mussten beide unseren Stipendienbericht schreiben, waren jeweils einmal krank und natürlich durfte Sightseeing und beiandersein genießen auch nicht zu kurz kommen ;-). Auf jeden Fall war es eine sehr schöne Zeit und gut zum Aufholen für den Endspurt unserer zweiten Fernbeziehung. Als ich damals in Shanghai war, habe wir uns in dem ganzen Jahr nur kurz zwei Wochen gesehen. Da war es dieses Mal schon sehr viel komfortabler, auch dank Skype (neuerdings) und der viiiiiel besseren und stabileren Internet- und Festnetzverbindungen. Unten findet Ihr noch ein paar Fotos von uns beiden in Peking, um Peking und in Peking herum...







Auf der Grossen Mauer...







In der Verbotenen Stadt - Rechts vor den zwei ineinander verwachsenen "Zwillingsbäumen", vor denen der letzte Kaiser von China, Puyi, das Hochzeitsfoto mit Wanrong aufnehmen liess.
"Am Himmel wie zwei Vögel mit einem Paar Flügel, auf der Erde wie zwei Bäume mit ineinander verwobenen Zweigen" besagt die Aufschrift auf dem Schild, das wir hier gerade verdecken. Auch wir waren der Meinung, ganz wie Puyi, dass dies ein gelungener Ort für ein Pärchenfoto sei. Umstehende Chinesen erklärten mir, wann immer Paare dorthinkämmen, sei eine solche Aufnahme ein "Muss". Na bitte!






Links: Blink vom Kohlehügel auf die Verbotene Stadt.

Rechts: Im Himmelstempel.








Meditation im Sommerpalast...






Links: Im Sommerpalast vor dem Marmorschiff im See.

Rechts: Im Lamatempel.







Links: Entenpärchen auf dem zugefrorenen See auf dem Campus der Tsinghua-Universität.

Rechts: Pfauen in der Zooanlage des Instituts für Biologie der Tsinghua-Universität.








Am Seeufer des Tsinghua-Campus.







Links: Wie man sich das glitzernde China so vorstellt...

Rechts: Teeeinkäufe auf der Wangfujing-Prunkfußgängerzone, die leider nicht gegen die Nanjing-Protzallee in good old Shanghai ankommt ;-).








Nach getanen Einkäufen ein Kaffeepäuschen in der subterrainen Fresstempelanlage der Wangfujing. Dank des fantastischen Eurokurses für Euro-Ausländer trotz der feudalen Lage sehr günstig.






Links: Im Lush, einer netten Kneipe um die Ecke meiner Wohnung. Anläßlich der Filmvorführung von "Big Lebowski" gab es einen ganzen Abend lang "Weissrussen" für einen Euro...WAHNSINN!

Rechts: Großstadtromantik - Beijing bei Nacht