Neues aus Beijing 2006-2007

Sonntag, November 26, 2006

Interkulturelle Unterschiede (2)

Leider haben die Chinesen neben McDonald's und KFC auch noch andere Essgewohnheiten aus den USA übernommen und mit chinesischem Flair versehen... ein Beispiel dafür ist die Tatsache, dass man überall süße weiche Brötchen mit Hackfleisch bekommt oder das, was man in manchen Gegenden Deutschlands als Eierweck oder Einback bezeichnen würde, mit Speck, Mayonaise und Ketchup versehen, nicht zu vergessen das kleine knallrosafarbene Würstchen in der Mitte, brrh.

Was für mich persönlich sehr schade ist, ist die Tatsache, dass es hier fast keine normalen Milchprodukte gibt. Schließlich bin ich schon ein ausgemachter Naturjoghurt-mit-Obst- und Quark-Fan. In China jedoch gibt es erstens keinen Quark, und zweitens sind alle Milchprodukte bis zum Anschlag mit Zucker versetzt, sogar Naturjoghurt und Milch. Das höchste der Gefühle wäre eine Joghurtsorte, die statt Zucker Süßstoff enthält, haha. Daher habe ich Milchprodukte schweren Herzenes erst mal vom Speiseplan gestrichen.
Originär gibt es auf dem chinesischen Speiseplan ja auch keine Milchprodukte. Vielleicht ist die Überzuckerung eine Marketingstrategie, um sie überhaupt absetzen zu können?

Interkulturelle Unterschiede lassen sich übrigens auch bei so banalen Dingen wie Klopapier und Taschentüchern finden. Vor ein paar Wochen hatten wir eine kleine Taschentücher-Diskussion unter Deutschen, Japanern und Schweden. Auf kam diese, weil wir uns über die chinesischen Taschentücher geärgert hatten: Mit wenig Anstrengung kann man diese nämlich beim Naseputzen in der Mitte durchblasen und ihre Saugfähigkeit ist quasi nicht vorhanden. Als Jinxin und ich ein Lied auf unsere 4lagigen deutschen Taschentücher sangen (und die Schwedin übereinstimmte), warf eine Japanerin ganz verwundert ein, dass die chinesischen Taschentücher doch mit ihren zwei Lagen schon so dick wären und konnte gar nicht glauben, dass Deutsche so etwas Verschwenderisches herstellten wie 4lagige Taschentücher. Es stellte sich heraus, dass Taschentücher in Japan in der Regel eine Lage haben!
Als wir ihr als Beweis ein deutsches Taschentuch gaben (Jinxin hatte wohlweislich einen großen Vorrat mitgebracht), teilte sie dieses auch prompt in seine einzelne Schichten, die sie schön nach einander benutzte...

Mit dem Klopapier ist es übrigens dasselbe. Außerdem ist es hier wirklich ein Luxugut: Auf den Toiletten gibt es in der Regel nirgendwo welches, egal ob an der Uni oder im Restaurant genauso wenig wie Seife. Deshalb empfiehlt es sich, immer einen kleinen Vorrat an Taschentüchern mit sich herumzutragen. Klopapier ist hier übrigens auch sehr teuer, gerade im Verlgeich zu anderen Gebrauchsgegenständen. Man bekommt in der Regel einzelne Rollen (kauft man eine Packung wird auch nach Anzahl der Rollen abgerechnet) für 15-20 Cent, also einen 10er-Pack für 15-20 Yuan (1,50-2 Euro). Eine Riesenpackung Taschentücher kostet dagegen 3-5 Yuan (0,30-0,50 Euro). Das ist schon ein ganz schöner Unterschied. Etwas billiger wird es, wenn man das typisch chinesische Klopapier ohne Papprolle kauft...


Effektiver Schutz von IPR

Seit dem WTO-Beitritt wird der Schutz Intellektueller Eigentumsrechte in China sehr ernst genommen: Echte Fakes sind kaum noch zu finden - schon beim Kauf ist klar, dass es sich um ein Fake-Produkt handelt, so dass alle IPR-Probleme von vorne herein ausgeräumt sind. Treffliche Beispiele für diesen geschickten Schachzug sieht man unten:














Als mutmassliche Muttersprachler des Englischen würden diese beiden Anghörigen der Peanuts Family solche Kommentare wohl nicht in dieser Form abgeben. Eine Verwechslung mit dem echten Snoopy oder Woodstock ist also völlig ausgeschlossen.











Auch bei diesen niedlichen Kätzchen würde niemand auf die Idee kommen, sie in irgendeiner Weise mit "Hello Kitty" in Verbindung zu bringen. Westliche Firmen können sich also darüber freuen, dass ihre Produkte in China in Zukunft noch sicherer sein werden ;-).

Besuch im Krankenhaus (2 und 3 )

Wie Ihr seht bin ich mittlerweile wirklich ganz gut beschäftigt... Ich habe gerade festgestellt, dass es schon einen Monat her ist, seitdem ich den letzten Eintrag gemacht habe. Da wird es Zeit für eine Fortsetzung. Auch wenn manche Ereignisse, die ich erzählen möchte, schon wieder etwas her sind.

Mich hat es zwischenzeitlich gleich noch dreimal ins Krankenhaus verschlagen. Die vermeintliche Erkältung wurde von de chinesischen Ärztin nämlich falsch eingeschätzt und hat sich hinterher als Atemwegsinfekt entpuppt. Daher durfte ich noch zweimal antanzen (dieses Mal bei einem etwas fähigeren jüngeren Arzt) und habe erst mal 10 Tage Penicillin geschluckt. Das war kein Spaß, hat aber dem Infekt wenigstens den gar aus gemacht, und ich war wieder fit.

Die nächste Aktion war dann eine seltsame Erhebung am Fuss, die sich als Hühnerauge herausstellte – das war natürlich klasse, wenn man bedenkt, dass ich in Deutschland seit 7 Jahre barfuss in einer ewig dreckigen Unisporthalle Karate trainiere und mir nie irgendetwas eingefangen habe. Und hier laufe ich nirgendwo barfuss und kriege trotzdem was. Vermutlich war mein Immunsystem ziemlich geschwächt. Im Unikrankenhaus wurde das leider auch nicht erkannt, aber immerhin meinte die Dame in der Hautabteilung, dass eine Vereisung nicht schlecht wäre. Aber diese Art Behandlung gäbe es da nicht. Soso, wieso hing dann draußen an der Tür ein Schild, das detailliert die Auswirkungen des Vereisen beschrieb und mitteilte, dass man jeden Freitag für diese Behandlung einen Termin bkeommen könnte? Naja, ich hatte in jedem Fall keine Lust mehr auf chinesische Krankhäuser – die Ärztin hatte mich in das Krankenhaus der Peking Universität verwiesen – und bin in den International Medical Center im Lufthansacenter gefahren. Dort habe ich auch mit einem tollen Service sofort alles bekommen was ich brauchte, allerdings auch fast 100 Euro da gelassen.
Hinterher habe ich von einer chinesischen Kommilitonin erfahren, dass die chinesischen Studenten selbst überhaupt nicht in das Unikrankenhaus gehen, weil dessen mangelhafte Qualität wohl allgemein bekannt ist. Naja, für einfache Erkältungen, falls noch mehr kommen, reicht es wohl. Chinesen kaufen sich die Medikamente, die sie brauche, einfach selbst. Es gib hier alles rezeptfrei, auch die heftigsten Antibiotika. Gewöhnungsbedürftig für uns individualistische Westler ist übrigens auch die Art der Sprechzimmer im Krankenhaus: In einem Zimmer stehen zwei kleine Holztische, an denen je ein Arzt sitzt, und zwie kleine Holzschemel für die Patienten. Daneben steht dann eventuell noch eine Liege mit einem Vorhang. Türen gibt es nicht. Das heisst, die wartenden Patienten auf dem Gang bekommen alles mit und geben sich tatsächlich auch größte Mühe, nichts zu verpassen – gerade bei Ausländern ist das ja spannend. Vielleicht funktionieren die auch anders, wenn sie schon so anders aussehen? Und das gilt auch für so sensible Bereiche wie Urologie oder Gynäkologie. Privatsphäre sucht man in China also auch im Krankenhaus vergeblich – Da ist doch gar nicht schlecht, wenn man die Chance hat, auf den International Medical Center auszuweichen.