Neues aus Beijing 2006-2007

Dienstag, Mai 15, 2007

Auf den Spuren der deutschen Imperialisten (2)

Wenn wir schon bei Imperialisten sind - Dank meiner "guanxi" (Vitamin B) in Qingdao hatte ich die Gelegenheit, zwei Nächte im Crowne Plaza zu nächtigen, das war auch extrem imperialistisch, aber sehr cool. Der Ausblick vom 25. Stock war einmalig...Und der Servicegedanke beginnt doch allmählich auch sich durchzusetzen. Zumindest waren die "fuwus" (Einheitsbegriff für Servicepersonal) sehr aufmerksam und zuvorkommend. Nicht chinakundige Leser werden jetzt verwundert die Stirn runzeln und sich fragen, was dieser Kommentar soll. Schließlich handelt es sich beim Crowne Plaza um ein renommiertes 5-Sterne-Hotel. Da sollte das doch das mindeste sein. Nicht so aber in China - dort sei es Studentenwohnheim oder 5-Sterne-Absteige bietet sich in der Regel das gleiche mißmutige "ich-bin-für nichts-verantwortlich" Ex-Kommunismus-Gesicht beim Servicepersonal. Nur zu gut erinnere ich mich an die anschauliche Darstellung desselben, die mein Kommilitone Olli mir damals in Shanghai lieferte, als er von der Übernachtung im höchsten Hotel der Welt (ebenfalls 5-Sterne) im Jinmao Tower berichtete. Die Aufmerksamkeit der "fuwus" stand denen im Studentenwohnheim um nichts nach, was nicht Gutes hieß. Griesgrämigkeit inbegriffen. Aber wie gesagt, Besserung ist in Sicht. Schließlich ist Qingdao auch Olympiastadt: Der Segelwettbewerb wird dort stattfinden, was bestimmt einiges an "laowais" (=Ausländer) mit sich bringen wird - so zumindest die Hoffnung der Stadtregierung.











Entlang der Uferpromenade in Qingdao gibt es ein Villenviertel im deutschen Stil, das zum Teil wirklich an den Heidelberger Stadtteil Neuenheim Richtung Philosophenweg erinnert. Jedoch wurde dieses gar nicht vo Deutschen sondern von russischen und japanischen Kaufleuten erbaut. Diese konnten dem deutschen (Jugend-?) Stil wohl einiges abgewinnen und ließen dafür auch nicht lumpen. Tatsächlich fühlt man sich bei einem Spaziergang durch das Viertel, als ob man spontan einen Ausflug ins ferne Deutschland unternähme, so sehr ähnelt sich die beschauliche Atmosphäre, gerade im Vergleich zum hektischen chinesischen Großstadtleben. Aufgeschreckt wird man natürlich immer wieder durch die gutturalen Geräusche und "laowai" Rufe der Anwohner...;-)




















Jedem Kaiser seine Promenade - So auch in Qingdao. Die Hauptverkehrsstrasse hiess zu Kolonialzeiten Kaiser-Wilhelm-Allee. Heute trägt sie den Namen Zhongshan Strasse und ehrt damit den Republikmitbegründer Sun Yatsen (Sun Zhongshan). Auch hier lassen sich viele europäische Elemente in Architektur und Bauweise entdecken. Angenehmerweise fehlen die Wolkenkratzer, die sonst so charakteristisch für das Innenleben einer chinesischen Großstadt sind.








































Komplett verzichtet hat Qingdao auf diese Statussymbole natürlich nicht: Das Businessviertel etwas außerhalb ist entsprechend damit verziert worden. Und die Strandpromenade mit der Skyline hat doch auch was!