Unterrichtsbeginn: Bitte nicht schwänzen!
Am 18. September fand morgens um 9.30 Uhr zunächst dieWillkommensversammlung für alle neuen ausländischen Studenten statt – eine pompöse Veranstaltung wie man sich vorstellen kann. Gleich zu Beginn wurde auch schon darauf hingewiesen, welche Ehre und Chance es sei, Chinesisch an dieser traditionsreichen Eliteuniversität zu lernen. Geschickt wurde auch ein Zitat von Chirac eingeflochten, dass „es jedem, der Chinesisch lerne, für seine Jobaussichten von Vorteil wäre.“ Doch folgte gleich darauf noch ein Seitenhieb gegen europäische Studenten (durch die Blume vermutlich v.a. Franzosen und Italiener), als der Redner mit väterlicher Strenge daraufhin wies, dass in China der Unterricht schon ganz früh um 8 Uhr beginnt im Gegensatz zu europäischen Ländern, wo man zu dieser Zeit ja noch schlafen würde oder gerade erst aufgestanden sei. Die Chinesen sind eben Frühaufsteher….



Sehr eindrücklich wurde auch darauf hingewiesen, dass man doch bitte schön keinen Unterricht schwänzen solle, da man sonst nicht an den Klausuren teilnehmen könne und kein Ergebnis erhalte. Wie sollte man sich dann vor seinen Eltern und Kommilitonen rechtfertigen? Ob die Botschaft bei allen Teilnehmern ankam, sei dahin gestellt, da interessanterweise alle Redebeiträge in chinesischer Sprache stattfanden. Und das, obwohl sich eine Menge Studenten versammelt hatten, die hier mit dem Erwerb der chinesischen Sprache erst anfangen wollten. Dabei entsprach die Sprechgeschwindigkeit in etwa dem Tempo einer Weinbergsschnecke, die einen Transrapid hinter sich herzieht, wobei jede einzelne Silbe wie auf den Sprachlaborkassetten künstlich in die Länge gezogen wurde: Nnnniiiiiiiiiiiii hhhaaaaaoooo (chinesisch für hallo). Fazit: Studenten ohne oder mit geringen Chinesischkenntnissen verstanden trotzdem nichts, solche mit Chinesischkenntnissen hatten alle Mühe, ernst zu bleiben oder fühlten sich auf den Arm genommen. Es wäre wohl sinnvoller gewesen, das ganze ins Englisch zu dolmetschen. Ob sich das wohl als Personalproblem darstellte? Immerhin gab es auf den Power-Point-Folien einige englische Begriffe zu sehen, die das chinesische Äquivalent zwar nur unzureichend wiedergaben, aber immerhin denjenigen, deren Chinesischkenntnisse noch gering waren, einen groben Eindruck vermittelten, um was es gerade ging. Für diejenigen, die weder Chinesisch noch Englisch beherrschten (soll es auch geben ;-)), wurden beim zweiten Vortrag, in dem es um einzuhaltende Regeln und Verbote ging, die Inhalte durch anschauliche Bilder verdeutlich – etwa durch ein durchgestrichenes Moped, da die Nutzung von motorisierten Fahrrädern wohl auf dem Campus verboten ist, woran sich aber niemand hält.
Sehr ernst und eindringlich wurde auch daraufhin gewiesen, dass es verboten ist, nach erhöhtem Alkoholgenuss illegal auf dem Campus Moped zu fahren. Weitere gute Ratschläge erfolgten in Bezug auf Reisen außerhalb von Beijing, die am besten nie alleine sondern in Kleingruppen erfolgen sollte. Vor allem solle man immer seine Lehrer und Kommilitonen benachrichtige, wo man sich gerade aufhalte und seine Kontaktdaten hinterlassen. Der übliche Hinweis, dass man sich ja vor Dieben in Acht nehme solle, durfte natürlich nicht fehlen.Der dritte und wichtigste Beitrag wurde so wichtig genommen, dass er gleich in drei Sprachen in verschiedenen Räumen stattfand: Englisch, Koreanisch und Japanisch. Es handelte sich dabei um eine Schnelleinführung in das chinesische Ausländerrecht, die wiederum aus einem Sammelsurium von Vorschriften und Regeln bestand (die meisten übrigens nach gesundem Menschenverstand selbstverständlich) und insbesondere hervorhob, dass China KEIN Einwanderungsland sei, und dass Studenten in China wieder mal im Gegensatz zu europäischen Ländern während des Studiums nicht arbeiten dürfen, sonder sich voll und ganz aufs Lernen konzentrieren sollen.
Nach diesen eindringlichen Ermahnungen war denn auch erst mal ein leckeres Mittagessen nötig, was wir in einer bunt gemischten Gruppe, in der Deutschland, Kirgisien, Russland, Japan, Mongolei, Finnland, Belgien und Schweden vertreten waren, in einem japanischen Curryrestaurant in der Nähe des Campus auch prompt taten.

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