Neues aus Beijing 2006-2007

Mittwoch, Oktober 25, 2006

Karaoke

Zwar ist es nun schon eine Weile her, dass wir gemeinsam Karaoke singen waren – das war noch bevor es mich erwischt hat. Aber einen kleinen Kommentar ist es trotzdem wert. Karaoke ist mittlerweile ja auch in Deutschland kein Fremdwort mehr, spätestens seit Etablierung der Karaokeparty in Heidelberg vor 2-3 Jahren ;-). Und ich selbst von schon seit meinem Aufenthalt in Shanghai 2000/ 2001 ein absoluter Fan davon. Es geht dabei ja auch nicht drum, wirklich zu singen, sondern einfach Spaß zu haben und manchmal auch absichtlich falsch ins Mikro zu röhren.

Für Karaoke braucht man in der Regel eine spezielle Anlage, in der alle Lieder bereits gespeichert sind, oder zumindest spezielle CDs, auf denen eine Karaokespur ohne Stimme, und die etwas an den Laien angepasst sind. Dann geht es fast wie von selbst. Man sollte natürlich das Lied, das man singen möchte, einigermaßen kennen (NICHT nur die Melodie sondern vor allem auch den Text!). Zu jedem Lied läuft dann ein Video ab, das kann das offizielle MTV-Video sein, muss es aber nicht. Gerade in China sieht man diese seltener. Dafür köstliche Videos von Orten, die wie am Bildschirmrand angegeben im Schwarzwald, auf Neuseeland oder in den Rocky Mountains liegen, klischeehaften Westlern und Eingeborenen beim Fruchtbarkeitstanz auf Hawaii (siehe Foto).

In Heidelberg bekommt man das ganze in die andere Richtung
geboten: Orte, die in der Mongolei, in der Provinz Yunnan oder auf irgendeinem heiligen buddhistischen Berg liegen, und klischeehafte Chinesen bei Schwimmversuchen im ostchinesischen Meer… Diese Videos steigern die Stimmung natürlich noch mal enorm und tragen zur allgemeinen Erheiterung bei. Ein deutsches Lied gibt es übrigens in China auch immer, nämlich: „Ach Du lieber Augustin“… Aber fragt mich nicht warum!

Chinesen haben Karaoke (oder K-TV, wie es hier so schön heißt – Chinesen lieben Abkürzungen) trotz gewisser historischer Ungereimtheiten von den Japanern übernommen und sind ganz begeisterte Karaoke-Sänger und –Gänger. Es gibt hier ganze Häuser, die ausschließlich und zu jeder Tages- und Nachtzeit Karaoke anbieten, und zwar zimmerweise. Jedes Zimmer hat dann eine eigene Anlage zur Selbstbedienung und in den nobleren Einrichtungen sogar einen eigenen Kellner. Als Studenten haben wir uns natürlich brav eine etwas günstigere Variante in der Nähe des Campus gesucht. Das Problem war aber, dass dieser Karaokeclub von Koreanern betrieben wurde und alles auf Koreanisch war. Da half bei technischen Problemen das ganze Chinesisch nichts. Glücklicherweise wusste der Techniker des Vereins immer auf welche Knöpfe er drücken musste, um uns zu helfen – vor allem als Jinxin mitten im Lied den Stecker zum Fernseher herausgerissen hatte (dabei war das Lied gar nicht sooo schlimm) und danach erst mal nichts mehr ging… ;-).

Ansonsten haben wir uns aber sehr gut amü-
siert und hatten einige nette Vorstellungen,
unter anderem haben Akane und Sayaka
(aus Japan wie die Namen verraten) uns
ein japanisches Kinderlied mit entsprechen-
der „Bühnenshow“ geboten. Außerdem haben
sehr zum Vergnügen der übrigen Mannschaft
die einzigen beiden Westler (Carl, der Schwede,
und ich) im Duett die nationale Hymne zur
Wiedervereinigung von Hongkong mit dem Mutterland gesungen:

„Wir sind alle Chinesen“.